Sonntag, 29.01.2012

mitteschwester

 



erhard

Erhard Knorr

Als ich an jenem denkwürdigen 28. mai anno 1953 – um punkt 22 uhr – das elektrische, teils noch gasbetriebene, licht der welt erblickte konnte ich noch nicht ahnen, dass ich nun – im trüben november 2010 – hier sitze und teils melancholisch, teils belustigt an meine kindheit (und jugendheit) in meinem „geburtsort“ unterbarmen zurückdenke.

Angeregt zum schreiben von gunnar kohleick (in dessen unmittelbarer nachbarschaft – besenbruchstraße 53, eckhaus kothener straße – meine geburt vonstatten ging) und ronald hahn (welcher später hinsichtlich meines musikalischen werdeganges noch eine wichtige schlüsselrolle einnehmen sollte)

WOHER – ZUM HENKER – WISSEN DIE BEIDEN, DASS ICH SCHREIBEN KANN ? ! ?

versuche ich nun, meine ersten 19 lebensjahre, welche ich in diesem haus – später (1966) umbenannt in wittensteinstaße 139 – verbracht habe, revue passieren zu lassen :

meine ersten erinnerungen „außer haus“ habe ich an die haspelhäuser, wo seinerzeit die mütterberatung untergebracht war, die lampenschirm-fabrik brahmekamp (in der und für die meine mutter damals arbeitete und das „familienbudget“ etwas aufbesserte) und an den kindergarten in der gronaustraße.

Wenn ich nun im rückblick die friedrich-engels-allee entlang gehe . . .

was war es dort lebendig – lauter florierende kleine läden – „zeitgenoss(inn)en“ werden sich ebenfalls erinnern

u. a. dabei an die unterbarmer hauptpost, deren jugendstil-fassade auch heute noch einen imposanten, schönen anblick bietet, gegenüber blumen markowitz, tapeten/farben althoff, an der ecke haderslebener straße „unten im keller“ in kleiner gemüseladen, auf der selben straßenseite, unmittelbar neben dem „allee-stübchen“, der friseur bei dem ich für 2 dm meine ersten fasson-schnitte verpasst bekam.

Ein paar häuser weiter eine große bäckerei, im bereich völklinger straße (wo jetzt das glas-café ist) ein kleiner zeitungs-kiosk, gegenüber direkt an der ecke völklinger str. ein lebensmittel-laden, daneben in unmittelbarer nachbarschaft die metzgereien kromberg und winkelmann.

Danach – bis zum polizei-präsidium – drei (!) tankstellen und weitere zwei autohäuser (ley & wittenstein und schramm – mit gogomobil u. „leukoplast-bomber“ im fenster).

Ein weiteres „schätzchen“ resp. unterbarmer „wahrzeichen“ war die grünsiegel-passage – u. a. hinten rechts mit dem kino bali und die puppenbühne scheu, wo von zeit zu zeit auch der „verkehrs-kasper“ sein stelldichein gab.

Außerdem gab’s ein reformhaus, in welchem wir uns häufig fruchtzucker – statt bonbons – gekauft haben.

Im weiteren verlauf der friedrich-engels-allee schließt sich als einer der wenigen „überlebenden“ der optiker riedesel an, bei welchem ich schon 1957 meine erste brille bekam.

Es folgte ein „richtiger“ italienischer eisladen und daneben die drogerie theobald (dort habe ich mir meine ersten groschen verdient, in dem ich für die verkäuferinnen eingekauft habe) an der ecke zur farbmühle.

Auch diese habe ich als straße mit regem geschäftsleben in erinnerung –

im zweiten haus auf der rechten seite die bäckerei himmelmann, daneben ein tabakwaren-laden und der gemüsehändler isringhaus, meiner erinnerung nach auch auf dieser seite ein friseur, nicht zu vergessen der kohlenhändler wendersbusch kurz hinter der einmündung wartburgstraße.

Auf der anderen straßenseite – wieder richtung „allee“ – die metzgerei thielenhaus (+ eine weitere bäckerei ?), der schuhmacher cymera und direkt daneben ein „tante-emma-laden“ im allerbesten sinn :

Die alte tante grete (wilke) erlaubte mir sogar, mich auf die theke zu setzen und meine frische milch „selbst zu zapfen“ !

Danach – richtung loh – verblassen die erinnerungen etwas (das war nicht mehr so „mein revier“), allerdings weiß ich noch, dass da der fotoladen gonnermann und gegenüber auf der anderen straßenseite die hirsch-apotheke schon immer da waren – außerdem die (alte) sparkasse und in deren nachbarschaft noch ein kino – später renault kessler u.v.m.

Mit der schreibwarenhandlung ködding – auf der seite hinter dem loher kreuz – beende ich diesen gedanklichen rundgang und frage :

was ist von all diesem „lebendigen gewusel“ bis heute noch übrig geblieben ?!

Die „noch älteren“ mögen mich verbessern, aber ich empfinde diese alleehausentwicklung „meines/unseres“ stadtteils doch als traurig und den zustand – wie auch in manch anderen ecken – ziemlich trostlos !

>>> weiter
nächste Seite

 
 
 
 

 
  Betriebsklima